Das Magazin der Schwenninger Krankenkasse

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Plastikmüll verschmutzt die Weltmeere und schadet am Ende auch uns selbst. Organisationen wie One Earth – One Ocean oder Unverpacktläden zeigen, wie wir die Meere retten können.Umweltschutz, sicher eingetütet: Erdmuthe Seth kauft verpackungsfrei. © Eva Häberle

Weniger ist Meer?

Über Jahrzehnte haben wir die Ozeane mit unserem Plastikmüll verschmutzt. Doch nun bewegt sich endlich was: Verschiedene Organisationen und Initiativen zeigen uns, wie wir die Meere retten können.

Dieser große, runde Felsen, auf dem wir da durchs Weltall sausen, ist schon beeindruckend. Unendlich viel Leben wuselt darauf herum: Vögel sirren durch die Lüfte, Krokodile tummeln sich in Flüssen, Faultiere hängen von den Bäumen und irgendwo lassen sich just in diesem Moment ein paar Menschen die Sonne auf den Bauch scheinen. Zu verdanken haben wir das alles: dem Wasser. Alles Leben auf der Erde hat sich daraus entwickelt – und alles Leben auf der Erde ist davon abhängig. Die Meeresflora produziert beispielsweise 70 Prozent des Sauerstoffes, den wir einatmen.

Und doch sind die Weltmeere auf diesem Planeten die große Unbekannte. So ist der Meeresboden noch nicht mal zu zehn Prozent erforscht. Oder anders: Die Karten, die wir vom Mars haben, sind genauer als unsere Unterseekarten. Auf dem Mond waren mehr Menschen als in der Nähe der tiefsten bekannten Meeresstelle, des Marianengrabens im Westpazifik. Welche Wunder unter Wasser noch so schlummern? Wir haben keine Ahnung. Was wir allerdings wissen: Wenn der Mensch mit seinem Müllwahn so weitermacht wie bisher, gibt es laut den Vereinten Nationen 2050 mehr Plastikabfall in den Weltmeeren als Fischbestand.

Alle an einem Strang

Die Vermüllung der Meere können wir nur stoppen, wenn wir auf allen Ebenen handeln und umdenken: global, regional, lokal – und zuletzt jeder Konsument persönlich. Laut dem UN-Umweltprogramm UNEP schwimmen heute in jedem Quadratkilometer Ozean 13.000 Plastikteile: Saftflaschen, Chipstüten, Fischernetze, Wattestäbchen. Langsam zerfällt dieses Plastik. Das entstehende Mikroplastik sammelt sich zu regelrechten Müllkontinenten, die durch die Weltmeere stromern. Der größte ist der sogenannte Great Pacific Garbage Patch, der konservativen Schätzungen zufolge viermal so groß ist wie Deutschland. Das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt, doch erst langsam kommt Schwung in die ganze Sache: So will die EU nun langfristig Einweg-Plastikteile wie Strohhalme und Besteck verbieten. Es klingt wie ein Witz angesichts der Ausmaße, die das Problem angenommen hat – und doch hilft es ungemein.

Mit der SeeKuh geht der Verein „One Earth – One Ocean“ auf Plastikfang.

Auch immer mehr Unternehmen engagieren sich, beispielsweise das Start-up „Ocean Cleanup“ des Niederländers Boyan Slat. Er will noch in diesem Jahr Schiffe zum Müllkontinent im Pazifik schicken, die mit meterlangen Fangarmen peu à peu das Plastik einsammeln und an Land bringen, wo es weiterverarbeitet werden soll. Einen anderen Ansatz verfolgt die deutsche Umweltorganisation „One Earth – One Ocean“: Sie will das Plastik stoppen, bevor es in den Müllstrudeln der Meere landet. Der langfristige Plan: Vor den Megastädten dieser Welt und an den Mündungen der größten Flüsse sollen Schiffe das vom Land herausgeschwemmte Plastik herausfischen. „Wir nennen das Maritime Müllabfuhr“, sagt Claudia Klein, Sprecherin der Organisation. Zurzeit läuft ein Pilotprojekt vor Hongkong. „Mit nur einem Katamaran, unserem Prototyp, haben wir in wenigen Wochen mehrere Tonnen Müll aus der Bucht von Hongkong gefischt“, sagt Klein. „Das ist einerseits erschreckend viel, andererseits sehen wir: Wir können mit unserer Arbeit echt was erreichen!“ Aber auch Klein weiß: Der Schutz der Ozeane von Verpackungsmüll beginnt nicht auf hoher See oder in den Flussmündungen – sondern schon viel früher.

Hier erfahren Sie mehr über One Earth – One Ocean e.V. und wie die Maritime Müllabfuhr funktioniert.

Plastikmüll verschmutzt die Weltmeere und schadet am Ende auch uns selbst. Organisationen wie One Earth – One Ocean oder Unverpacktläden zeigen, wie wir die Meere retten können.

Jutebeutel, Gläser, Einkaufskorb: Mit ein wenig Beherztheit kann jeder Konsument einfach Plastik vermeiden. © Eva Häberle

Muss das sein?

Meistens hinterfragen wir Konsumenten nicht mal mehr, wie sinnvoll Verpackungen sind: Brauchen Cornflakes um ihre Plastikverpackung herum wirklich eine Umverpackung? Und muss man vorgeschnittene Bratkartoffeln in Styroporschalen überhaupt anbieten, geschweige denn kaufen? Nein, sagt Insa Dehne, die gemeinsam mit drei Freunden vor anderthalb Jahren den Unverpackt-Laden „Stückgut“ in Hamburg eröffnet hat. Bei ihr bringen die Kunden selbst die Verpackung mit: Gläser, Jutebeutel, Flaschen. „Jeder Kunde nimmt sich verpackungsfrei genau so viel, wie er wirklich braucht. Viele Verpackungssünden haben mit Bequemlichkeit zu tun. Mittlerweile bekommen die Menschen aber ein Gespür dafür, dass diese Bequemlichkeit auf Kosten der Natur geht“, sagt Dehne. Der junge, umweltbewusste Student gehört genauso zu ihrer Kundschaft wie die ältere Dame, die diese Art von ursprünglichem, bedarfsgerechtem Einkaufen noch aus ihrer Kindheit kennt. Durch den Laden schlendert auch Erdmuthe Seth. Sie riecht in die Teedosen hinein, probiert ein Stückchen Schokolade und erfreut sich am Rascheln, wenn Nudeln, Cornflakes und Nüsse in ihre mitgebrachten Dosen und Gläser rasseln. „So einzukaufen ist ein Erlebnis für die Sinne“, sagt Seth. Die 33-Jährige nennt sich selbst Müllvermeiderin und betreibt gemeinsam mit ihrer Freundin Vanessa Riechmann den Blog „Alternulltiv – Zero Waste Hamburg“. Pro Monat füllt der von ihr produzierte Müll – von Biomüll, Altglas und Altpapier abgesehen – gerade mal ein Marmeladenglas. „Läden wie dieser zeigen uns: Es liegt gar nicht mal daran, wie viel wir konsumieren, sondern wie wir konsumieren.“

Alternulltives Creme-Deo zum Selbermachen: Zutaten:
2 EL Pfeilwurzel- oder Maisstärke, 1 EL Natron, 1 EL Kokosöl, 1 EL Sheabutter, einige Tropfen ätherisches Öl nach Wahl.Alle Zutaten über einem Wasserbad erwärmen. Wenn eine homogene Flüssigkeit entstanden ist, diese in ein kleines Gefäß füllen, zum Beispiel in ein leeres Marmeladenglas. Abkühlen lassen – fertig ist das selbstgemachte Creme-Deo! Eine Fingerspitze der Creme reicht pro Anwendung.

Kein Verzicht

Auch wenn das Thema ernst ist: Wenn Seth spricht, spürt man, dass sie nichts vom erhobenen Zeigefinger hält. Im Gegenteil, es geht ihr einfach darum, dass die Menschen kurz darüber nachdenken: Muss dieser ganze Plastikmüll in meinem Leben sein? Auf dem Blog zeigen sie und Riechmann, wie es anders geht: Sie veröffentlichen Listen mit Unverpackt-Läden in Deutschland, erzählen aus ihrem verpackungslosen Alltag und erklären, wie sich viele Produkte müllfrei einfach selber machen lassen. „Bei der Müllvermeidung geht es dabei aber nicht um Askese oder Verzicht. Ich esse auch Schokolade – die ich aber unverpackt kaufe. Ich trinke unterwegs Kaffee – den ich mir in meinen eigenen Becher füllen lasse. Ich benutze Hautcremes – die ich selbst gemacht habe. Aber auch ich benutze Zahnzwischenraumbürsten aus Plastik, weil ich bisher keine gute Alternative dafür gefunden habe.“ Auch die Weltmeere kann man nur mit kleinen Schritten retten. Seths Tipp dafür: „Einfach eine Jutetüte für Einkäufe in jede Tasche packen – damit kommt jeder von uns schon deutlich müllfreier durchs Leben.“ Kurzum: Die Rettung der Weltmeere beginnt schon im eigenen Rucksack.

Einkaufen im Unverpacktladen ist Einkaufen mit allen Sinnen. 

Bei Plastik heißt die Devise: Weniger ist mehr! Die besten Tipps für weniger Plastikmüll im Alltag gibt es hier. 

 

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