Das Magazin der Schwenninger Krankenkasse

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Das Bild zeigt Jörg Simon, den Vorstandsvorsitzenden der Berliner Wasserbetriebe.Jörg Simon, 54, ist studierter Diplom-Ingenieur und seit 1999 Vorstandsvorsitzender der BWB. Er ist außerdem Vizepräsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). © Die Hoffotografen GmbH

„Unser Wasser ist legendär gut“

Mit neun Wasserwerken und fast 8.000 Kilometern Leitungen beliefern die Berliner Wasserbetriebe die Millionenmetropole mit Trinkwasser. Der Vorstandsvorsitzende Jörg Simon erzählt, worauf es ankommt. 

Herr Simon, „Berlin ist aus dem Kahn gebaut“, sagt der Volksmund – eine Stadt der Flüsse, Kanäle und Seen. Wie steht es in der Hauptstadt um das Trinkwasser?

Die Berliner können sich über her­vorragende Trinkwasserqualität freu­en. Unser Wasser ist legendär gut! Das Berliner Trinkwasser stammt aus­schließlich aus Grundwasservorräten unter der Stadt, aus einer Tiefe zwi­schen 50 und 170 Metern. Das Wasser wird durch Sand und Gesteinsschich­ten auf natürliche Art und Weise ge­reinigt. Wir haben dafür ideale geolo­gische Bedingungen und wir können das Wasser naturnah aufbereiten. Das heißt, wir versetzen es lediglich mit Sauerstoff und filtern Eisen und Mangan heraus. Der Gewässer- und Naturschutz ist für unser Trinkwas­ser extrem wichtig. Ein Viertel der Stadtfläche Berlins besteht deshalb aus Wasserschutzgebieten.

 

Welche Herausforderungen hat Berlin beim Gewässerschutz?

Eine große Herausforderung in Ber­lin ist der geringe Wasserdurchfluss von Spree und Havel. Vor allem in den Sommermonaten führt die Spree manchmal nur zehn Kubikmeter Wasser in der Sekunde, im Rhein sind es 1.000 Kubikmeter. Die Flüsse wirken an vielen Stellen größer, als sie eigentlich sind, weil Schleusen sie aufstauen. In Wahrheit führen sie aber relativ wenig Wasser und flie­ßen mangels Gefälle sehr langsam. Das macht es schwieriger, die Flüsse sauber zu halten. Wir wollen daher den ganzen Wasserkreislauf sicherer machen und das Wasser, das wir aus den Kläranlagen zurück in die Spree leiten, noch besser aufbereiten. Des­halb sind wir gerade dabei, alle sechs Klärwerke Berlins mit einer weiteren Reinigungsstufe auszustatten.

 

Das Bild zeigt eine Mischkanalisation, wie es sie in großen Teilen Berlins gibt.

In großen Teilen Berlins gibt es eine Mischkanalisation, in der Schmutz- und Regenwasser zusammen abgeleitet werden. © Joachim Donath

 

Welche wichtigen Infrastruktur-Projekte stehen zurzeit an?

In großen Teilen Berlins haben wir eine sogenannte Mischkanalisation, in der Schmutz- und Regenwasser zu­sammen abgeleitet werden. Wenn es stark regnet, besteht die Gefahr, dass die Kanalisation überläuft und das Schmutzwasser in die Flüsse und Ka­näle fließt. Das wollen wir in Zukunft verhindern und bauen deshalb zu­sätzliche Stauräume und Regenbecken, in denen das Abwasser „zwischenge­parkt“, gereinigt und dann abgeleitet werden kann. Dieses sogenannte Ge­wässergüteprogramm soll bis 2020 ab­geschlossen sein, dann verfügt Berlin über rund 300.000 Kubikmeter Spei­cherräume – rund 75 Prozent des Pro­jekts haben wir schon umgesetzt.

 

„Wasser ist elementar. Es begleitet uns durch den ganzen Tag. Damit kann kein Produkt mithalten.“

 

In Deutschland sind die Gemeinden für die Trinkwasserversorgung zuständig. Die Wasserrichtlinien kommen jedoch überwiegend aus Brüssel. Gibt es dabei Interessenskonflikte?

EU-Vorgaben sind ja nicht zwangs­läufig schlecht! Die EU-Richtlinien be­wirken sehr viel Positives im Hinblick auf unser Trinkwasser. Insbesondere die Europäische Wasserrahmenricht­linie, die dafür sorgt, dass Gewässer in ganz Europa nachhaltiger und umweltschonender genutzt werden. Sie vereinheitlicht beispielsweise die Abwasserentsorgung. In Deutschland allein gibt es rund 6.000 kommunale Entsorger, die ihr Abwasser nach un­terschiedlichen Kriterien aufbereiten und in die Flüsse leiten. Die EU-Richt­linie hilft dabei, Gewässer ganzheitlich zu betrachten und den Umweltschutz zu verbessern. Sie hat gewissermaßen das große Ganze im Blick – und davon profitieren auch wir.

 

Das Bild zeigt das Klärwerk Ruhleben im Westen der Stadt Berlin.

Insgesamt sechs Klärwerke gibt es in Berlin. Hier im Bild: das Klärwerk Ruhleben im Westen der Stadt. © Joachim Donath

 

Deutschland hat außer Dänemark die höchsten Wasserpreise in der EU. Woran liegt das?

Der relativ hohe Preis liegt in Deutsch­land vor allem an der Finanzierung. Die Wasserwirtschaft wird hierzu­lande nicht subventioniert, anders als in anderen europäischen Ländern wie Spanien oder Italien. Außerdem sind die deutschen Standards sehr hoch und die Wassernetze in einem guten Zustand. Deshalb haben wir in Deutschland auch nur geringe Was­serverluste von etwa acht Prozent. Zum Vergleich: In Frankreich sind es 25 Prozent, in Großbritannien sogar 30 Prozent. Ich möchte außerdem den Begriff „teuer“ relativieren. Im Schnitt nutzt eine Person in Deutschland 110 Liter Wasser am Tag zum Kochen, Waschen, Putzen und so weiter. Das kostet im Jahr rund 180 Euro oder 50 Cent am Tag. Für eine zuverlässige Wasserversorgung in 1-a-Qualität fin­de ich das nicht zu viel.

 

Welche energiepolitischen Ziele verfolgen die Berliner Wasserbetriebe langfristig?

Unser langfristiges klimapolitisches Ziel ist es ganz klar, klimaneutral zu werden – genauso wie das gesamte Land Berlin. Die Berliner Wasserbe­triebe haben für ihre Kernaufgaben der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung einen Energie­bedarf, der so hoch ist wie der einer kompletten Stadt mit circa 270.000 Ein­wohnern – das entspricht ungefähr der Größe Wiesbadens. Wir versuchen daher möglichst viel Energie durch die Vergärung von Klärschlamm zu gewinnen. Die Biogase, die dabei ent­stehen, vor allem Methan, verbrennen wir in Blockheizkraftwerken. Auch der Ausbau von Solarenergie soll zur Klimaneutralität beitragen. Die Berli­ner Wasserbetriebe hatten lange Zeit die größte Solaranlage Berlins. Aber es geht hier nicht um Superlative. Wichtig ist, dass wir die Energie, die wir benötigen, erneuerbar und regio­nal produzieren.

 

Das Bild zeigt die naturnahe Aufbereitung im Wasserwerk Tegel.

Naturnahe Aufbereitung: Eisen und Mangan werden aus dem Trinkwasser herausgefiltert, Sauerstoff zugefügt – wie hier im Wasserwerk Tegel. © Joachim Donath

 

„Heute nimmt uns die Technik das Wasser­sparen ab. Es bringt nicht viel, beim Duschen das Wasser abzustellen.“

 

Überall bekommt man Tipps zum Wasser­sparen. Wie sinnvoll ist das im Hinblick auf Leitungen und Infrastruktur?

Man soll natürlich kein Wasser ver­schwenden. Wir sind aber mittler­weile an einem Punkt angelangt, wo uns die Technik das Wassersparen abnimmt. Moderne Geschirrspüler und Waschmaschinen benötigen viel weniger Wasser als noch vor zwanzig Jahren. Deshalb sinkt der Wasserver­brauch pro Kopf auch kontinuierlich. Das hat zur Folge, dass die Kanalisa­tion teilweise zusätzlich durchspült werden muss, weil sie sonst verstopft oder stinkt. Wassersparen beim Du­schen bringt also nicht viel. Wichtig ist eher, das Wasser möglichst sauber zu halten und etwa aus der Toilette keine Müllkippe zu machen.

 

Herr Simon, was bedeutet Wasser für Sie persönlich?

Wasser ist elementar. Damit arbei­ten zu dürfen ist ein großes Glück und eine Herausforderung zugleich. Denn mit unserer Arbeit sichern wir nicht nur den Lebenskomfort der Menschen und wichtige Funktionen der Stadt, wir sorgen auch dafür, dass künftigen Generationen eine gute Ressource zur Verfügung steht. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen – Wasser begleitet uns durch den gan­zen Tag. Damit kann kein Produkt mithalten. Das motiviert ungemein.

Die Berliner Wasserbetriebe versorgen mehr als vier Millionen Menschen in Berlin und Brandenburg mit Trinkwasser und sind damit das größte städtische Wasserversorgungsunternehmen Deutschlands. Weitere Informationen gibt es auf deren Homepage: bwb.de 

 

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