Das Magazin der Schwenninger Krankenkasse

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Schluss mit dem Wassergeiz

Der Geiz mit dem Wasser hilft weder der Umwelt noch den Landwirten in Kalifornien, macht aber die Rohre kaputt. Ein Gastbeitrag von Dr. Hans-Jürgen Leist.

Die Deutschen und das Wasser – für mich eine Geschichte voller Missverständnisse. Um jeden Liter des Lebenselixiers wird hierzulande gerungen. Bereits im Kindergarten lernen die Kleinen, dass man den Hahn beim Zähneputzen zudrehen muss, und in vielen Haushalten gibt es die berühmte Spartaste auf der Toilette. Dabei ahnen die meisten Deutschen nicht, dass ihr Spareifer größtenteils auf Fehlinformationen beruht.

 

Kein Tropfen geht verloren

Fragt man die Bevölkerung, wieso man Wasser sparen soll, kommen meist zwei Argumente: die Menschen in Afrika und die Knappheit der Ressource. Natürlich sind Dürrekatastrophen schlimm und die internationale Gemeinschaft muss helfen. Doch die Bewohner der Sahelzone haben de facto nichts davon, wenn ein Deutscher Wasser spart. Viele Dürregebiete haben auch kein eigentliches Wasserproblem – ihnen fehlen schlicht die finanziellen Mittel, um beispielsweise die Grundwasservorkommen zu nutzen.

Auch die Aussage, dass unsere Wasservorräte knapp werden, ist falsch. Die Wassermenge auf der Erde ist seit Jahrmillionen konstant und befindet sich im ständigen Kreislauf: Aus Salzwasser wird durch Verdunstung Süßwasser, welches dann bei uns abregnet. Den in Deutschland verfügbaren Süßwasseranteil könnten wir durch den Bau von Talsperren sogar erhöhen. Das ist aber nicht nötig. Denn alle Verbraucher in Deutschland (Haushalte, Indust­rie, Landwirtschaft und Kraftwerke) nutzen derzeit nur rund 14 Prozent der sich erneuernden Jahresmenge.

 

Sparsamkeit schadet

Die Gründe für das Wassersparen sind historisch bedingt: In den 1980er Jahren lag der durchschnittliche Wasserverbrauch in Deutschland täglich bei 150 Litern pro Person. Damals glaubte man, dass der Verbrauch im Jahr 2000 die 200-Liter-Marke knacken würde, und propagierte deshalb Sparmaßnahmen. In den folgenden Jahrzehnten sank der Verbrauch aber und liegt heute bei 120 Litern am Tag. Trotzdem sparen die Deutschen fleißig am Wasser. Das ist unnötig und sogar schädlich: In vielen Städten steigt der Grundwasserspiegel und dringt in Häuser ein, weil die Deutschen zu wenig Wasser verbrauchen. Weil zu wenig Trinkwasser durch die Rohre fließt, reduziert sich außerdem die Fließgeschwindigkeit im Abwassernetz, was zu Abbauprozessen und enormen Schäden an den Rohren führt. Der Wechsel zu dünneren Rohren ist leider keine Lösung, weil der Umbau sehr teuer wäre. Außerdem muss das Abwassernetz auch immer öfter Starkregen aufnehmen.

 

Richtig sparen

Wasser ist eine erneuerbare Ressource, die man in Deutschland reichlich nutzen darf. Kaum ein anderes Industrieland verbraucht so wenig davon wie wir. Sparen sollten die Deutschen vielmehr bei der Energie: Hier ist der deutsche Durchschnittsverbrauch dreimal so hoch wie der globale. Darum macht es Sinn, weniger Warmwasser zu verbrauchen. Allerdings nicht wegen des Wassers, sondern wegen der Energie, die bei der Erwärmung eingesetzt wird.

 

Dr. Hans-Jürgen Leist, 65, Umweltexperte.

Er arbeitet für mehrere Institute und hat zahlreiche Artikel in der Fachpresse veröffentlicht.

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