Das Magazin der Schwenninger Krankenkasse

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Resilienz bezeichnet die psychische Widerstandskraft. Sie hilft beim Umgang mit emotionalen Belastungen – und kann vor psychischen Krankheiten schützen. Auf dem Bild sind Menschen beim Tauziehen zu sehen.© Getty Images

Resilienz – Geheimnis der Belastbarkeit

Viele Menschen kämpfen heute mit Belastungsstörungen. Resilienz – die psychische Widerstandskraft – hilft damit umzugehen. Die Biochemikerin Dr. Christina Berndt hat sich mit dem Phänomen beschäftigt.

Frau Dr. Berndt, ist uns unsere emotionale Belastbarkeit (Resilienz) schon in die Wiege gelegt worden?

Wie robust ein Mensch psychisch ist, hängt zu einem kleinen Teil tatsächlich mit seiner genetischen Veranlagung zusammen. Wissenschaftler haben mehrere Resilienz-Gene gefunden. Eines davon ist das Gen 5-HTT, das den Transport des Glückshormons Serotonin im Gehirn reguliert. Von diesem Gen gibt es eine kurze und eine lange Variante. Wer die „lange“ Version in sich trägt, hat mehr Botenstoffe zur Verfügung, die ihm helfen, mit stressigen Situationen besser umzugehen.

 

Bedeutet das im Umkehrschluss, dass Menschen mit dem kürzeren Gen ihre Widerstandskraft gar nicht beeinflussen können?

Nein, zum Glück nicht. Nicht nur unsere Gene beeinflussen unsere Resilienz, sondern auch unsere Umwelt. Eltern, Freunde, Bezugspersonen können uns positiv prägen und stärken. Eine Reihe von Faktoren vergrößern außer den Genen die psychische Widerstandskraft: Dazu gehört beispielsweise die Akzeptanz einer Krise, der Optimismus, dass alles gut wird, Dankbarkeit für alles, was bislang gut gelaufen ist, sowie Bindungen und Netzwerke.
Aber auch Intelligenz ist ein Faktor, der stark macht. Kluge Menschen finden eher einen Ausweg aus dem Schlamassel und kommen deshalb mit einer Ehescheidung, dem Rüffel vom Chef oder einer Kündigung besser zurecht. Man sagt heute, dass der Einfluss von Genen und Umwelt in etwa fifty-fifty ist. Zudem zeigt das Forschungsgebiet der Epigenetik, dass sich Gene im Laufe des Lebens verändern können. Auch wenn uns also eine gewisse Grundausstattung in die Wiege gelegt ist: Wir können unsere psychische Widerstandskraft auch später noch vergrößern.

 

Wie kann man sich durch die großen und kleinen Krisen des Lebens manövrieren?

Vieles ist Strategie. Statt zu resignieren und dem Gefühl von Hilflosigkeit nachzugeben, sollte man aktiv an Problemen arbeiten und Herausforderungen annehmen. Eine deprimierende Situation bedeutet nicht gleich das Ende der Welt. Ab und zu müssen wir sogar eine Krise durchleben, um daraus zu lernen. Was uns nicht umbringt, macht uns stark. Da ist etwas dran.
Es ist wichtig, sich nicht wegzuducken und in negativen Gedankenschleifen zu verharren, sondern den Blick optimistisch nach vorne zu lenken. Und wer sich in schwierigen Zeiten auf frühere Situationen besinnt, die er mit Erfolg gemeistert hat, fokussiert sich automatisch auf seine Stärken statt auf seine Schwächen. Tiefpunkte in der Beziehung oder im Job lassen sich so viel besser überstehen und mit der Zeit wächst eine Art Hornhaut auf der Seele, die uns robuster macht.

 

Was können Arbeitergeber präventiv tun, damit Mitarbeiter gar nicht erst an Depressionen oder Burn-out erkranken?

Chefs können ein resilientes Umfeld und eine wertschätzende Firmenkultur schaffen. Dazu gehören angemessene Arbeitszeiten, Beförderungen, Lob, Offenheit und Gestaltungsfreiheiten. Mitarbeiter sollten immer die Möglichkeit verspüren, über Probleme reden zu können und konstruktive Kritik äußern zu dürfen. Das sollte den Chef nicht brüskieren, sondern dazu anhalten, Veränderung zuzulassen. Es ist übrigens nicht nur eine moralische Pflicht, sich um das Wohl seiner Mitarbeiter zu sorgen: Ausfälle durch psychische oder psychosomatische Krankheiten verursachen hohe Kosten und kommen das Unternehmen teuer zu stehen.

Resilienz oder auch psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen. Menschen mit einer ausgeprägten Resilienz gelten als emotional belastbarer. Resilienz bedingt jedoch nicht nur genetischer Veranlagung, sondern wird auch durch Umfeld und persönliche Erfahrungen geprägt. Mehr Tipps für die seelische Gesundheit können Sie hier nachlesen.

 

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