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Die Illustration zeigt den Ursprung der Redewendung "jemanden den Hof machen".© Sophia Martineck

Aus voller Leidenschaft

Auf der Suche nach der großen Liebe flirten und schäkern wir – und haben das ein oder andere Rendezvous. Dabei wird schnell klar, wer mit voller Leidenschaft dabei ist – und wer mit schnöden Sprüchen nur Leiden schafft. War das schon immer so schwer? Die Herkunft dieser Redewendungen lässt das zumindest vermuten.

Den Hof machen

Die Illustration zeigt den Ursprung der Redewendung "jemanden den Hof machen".

© Sophia Martineck

Wo sind in Zeiten von Online-Dating und der buchstäblichen Wischerei bei Tinder eigentlich die Frauen und Männer, die einem noch anständig den Hof machen? Die Redewendung stammt aus dem Mittelalter, genauer gesagt stammt sie aus dem Verhältnis zwischen dem Fürsten und seinen Angestellten. Die sogenannten „Höflinge“ arbeiteten im Hof eines Herrschers und waren stets um seine Gunst bemüht. Übersetzt wurde die Redewendung übrigens aus dem Französischen: „faire la cour à quelqu’un“. Man sagt den Franzosen ja nach, dass sie große Charmeure sind …

Einen Korb bekommen

Die Illustration zeigt den Ursprung der Redewendung "einen Korb bekommen".

© Sophia Martineck

Da steht man nun, nimmt all seinen Mut zusammen, spricht den lächelnden Mann oder die sympathische Frau an – und bekommt einen Korb. Sind wir mal ehrlich: Ein bisschen tut’s schon weh. Dabei können wir eigentlich von Glück reden, denn im Mittelalter musste Man(n) bei einem Korb ganz andere Schmerzen ertragen.
Wollte ein Mann seine Ange­betete um ein Date bitten, tat er dies unter ihrem Fenster. Daraufhin ließ sie einen Korb herunter. Der Mann setzte sich hinein und wurde zu ihr hinaufgezogen. So weit, so gut. Was aber, wenn die Frau kein Interesse an ihrem Verehrer hatte? Dann präparierte sie mit flinker Hand den Korbboden. Dieser hielt dem Gewicht des Mannes nicht mehr stand und er landete unsanft auf dem Boden. Autsch. Ob das der Boden der Tatsachen war?

Dreck am Stecken

Die Illustration zeigt die Redewendung "Dreck am Stecken haben".

© Sophia Martineck

Nun kommt es bei der Suche nach der großen Liebe leider auch vor, dass man der ein oder anderen Niete begegnet und beim Date feststellt: Er oder sie hat „Dreck am Stecken“. Die Redewendung stammt – wer hätte es gedacht – aus dem Mittelalter, als es noch keine festen Straßen gab. Wollte man jemanden besu­chen, musste man über Feld und Wiesen laufen. Das war den Schuhen leicht anzusehen. Was tat man also, um seinen Ausflug zu verheimlichen? Man kratze sich den Dreck mit seinem Wanderstock von den Schuhen. Und wo hing dann der Dreck? Genau: am Stecken.

 

Schäferstündchen

Die Illustration zeigt den Ursprung der Redewendung "Schäferstündchen halten".

© Sophia Martineck

Ist die Leidenschaft erst einmal entfacht, kreisen die Gedanken öfter um das Eine. Auch die Adligen träumten davon. Sie sehnten sich nach der Liebe und danach, der Natur und dem Landleben wieder näher zu kommen. Ihre Sehnsüchte brachten sie durchaus romantisch zu Papier. In der namensgebenden Gattung „Schäferdichtung“ der Renaissance wurde oft das einfache Leben der Hirten und Bauern und die liebliche Natur beschrieben.
Ein Schäfer­stündchen bedeutete für die Adligen also eine Flucht in eine idealisierte und romantische Welt. Im übertragenen Sinne geht es noch heute um die Flucht aus dem Alltag und die Zeit für Intimität. Ob es sich dann um (Schäfer-)Stündchen oder Minütchen handelt, ist Nebensache.

Unter die Haube kommen

Die Illustration zeigt die Redewendung "unter die Haube kommen".

© Sophia Martineck

Quizfrage: Was fanden Männer im Mittelalter bei einer Frau besonders aufreizend? Antwort: deren Haare. So kam es, dass Frauen – waren sie erst einmal verheiratet – ihre Haarpracht unter einer Haube verdecken mussten.
Die Haube wurde zur festen Kleiderordnung und zeugte von „geordneten Zuständen“. Eine Frau ohne Haube hingegen galt als „noch zu haben“. Übrigens: Buhlte ein Mann unverschämterweise um die Gunst verheirateter Frauen, so lief er den Hauben nach.

 

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