Das Magazin der Schwenninger Krankenkasse

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Arbeit hat einen großen Einfluss auf unser Leben. Prof. Dr. Rainer Wieland verrät warum.© GettyImages

Meinung: Mehr Freiheit wagen

Höher, schneller, weiter – dieses Motto steht in unserer Leistungsgesellschaft im Vordergrund. Kennzahlen bilden dabei zunehmend den Bewertungsmaßstab, nicht nur im Job: Beispielsweise erinnert uns die Smartwatch auf dem Nachhauseweg daran, dass heute noch mindestens 4.000 Schritte zum Tagesziel fehlen. Während ich meine Schritte freiwillig zähle, ist es im Berufsleben Standard, dass mit definierten Zielen gearbeitet wird: mehr Umsatz, mehr Kunden, weniger Kosten. Am Quartals- oder Geschäftsjahresende werden die Kennzahlen in einer Exceltabelle oder als Powerpoint-Präsentation vorgelegt.

Gute Zahlen werden gerne mit hoher und wertvoller Leistung gleichgesetzt. Warum die Leistung erbracht wird, und auf welche Art und Weise, tritt oft in den Hintergrund. Was am Markt keinen Erfolg hat, was sich nicht verkauft, was nicht zum Wirtschaftswachstum beiträgt, zählt nicht. „Leistung muss sich wieder lohnen“ fordern Politiker. Doch was macht Leistung eigentlich lohnend?

Arbeit ist mehr als nur nackte Zahlen: Die gemeinsame Arbeit an einem Projekt, der kurze Smalltalk in der Kaffeeküche oder das Feierabendbier mit den Kollegen stärken meine Sozialkompetenz und mein soziales Umfeld. Die durch die Arbeit erworbenen Fähigkeiten prägen meine Identität. Und die Anerkennung von Kollegen oder dem Chef stärken mein Selbstbewusstsein. Ich arbeite, also bin ich. Zudem strukturiert Arbeit unser Leben: Schließlich werden viele zeitbezogene Begriffe wie Freizeit, Urlaub oder Rente in Bezug zum Beruf definiert.

Arbeit hat also großen Einfluss auf unser Leben. Damit dieser positiv ist, sollten wir immer wieder aus dem manchmal engen Korsett unseres Arbeitsalltags ausbrechen. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Regelungen machen es leichter, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Auch Büroräume werden anders gestaltet: Mobile Büromöbel, offene Büroräume und Kommunikations- und Konzentrationszonen sollen die Kreativität fördern.

Damit Arbeit aber mehr ist als reine Lebenssicherung, bedarf es auch an Mut: Den Mut der Angestellten, Freiräume zur Selbstverwirklichung einzufordern, sowie den Mut der Vorgesetzten, ihnen diese Gestaltungsspielräume zu gewähren. Dazu gehören auch kleine Pausen, um wieder Energie für die anstehenden Aufgaben zu tanken oder die Möglichkeit, eigene Interessen zu verfolgen, etwa in einer Fortbildung. Wer sich nur von Leistungszielen und -zahlen treiben lässt, ohne einmal durchzuatmen, büßt mit der Zeit Energie und Leistungsfähigkeit ein. Arbeit muss sich lohnen – zunächst einmal für sich selbst. Dann stimmt auch die Leistung.

Ein Beitrag von Prof. Dr. Rainer Wieland, Leiter des Wuppertaler Instituts für Unternehmensforschung und Organisationspsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal.

Tipps für eine bessere Work-Life-Balance finden Sie hier: Work-Life-Balance

Neugierig geworden? Wie wichtig der Faktor Gesundheit für Arbeitnehmer, aber auch für Arbeitgeber ist, zeigen Siegfried Gänsler und Thorsten Bröske, Vorstände der Schwenninger Krankenkasse, in ihrem Buch „Die Gesundarbeiter“ (Murrmann Verlag).
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Kommentare

  • Michaela
    REPLY

    Da kann ich voll und ganz zustimmen! Ich wollte nach meiner Elternzeit nicht voll weiterarbeiten, weil ich weiterhin flexibel für meine Kinder da sein möchte. Ich habe mich dann mit einer Kollegin abgesprochen, die in meiner Abwesenheit meine Rolle in der Firma übernommen hatte, dass wir uns zukünftig zusammen eine Stelle teilen möchten und sind damit zum Management gegangen. Jetzt arbeite ich im sogenannten Job-Sharing (https://www.ubc-collection.com/blog/vor-und-nachteile-des-jobsharings/ ) und kann mir meine Zeiten in Absprache mit meiner Kollegin selbst einteilen. Ebenso die genauen Aufgabenbereiche. Uns entlastet das wirklich ungemein, man hat Zeit sich um manche Dinge zu kümmern ohne, dass man zu lange aus dem Job raus ist. Also nur Mut gegenüber dem Chef!

    18. Mai 2018

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