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Leistungssportler und Langläufer Marc Tortell liebt den Sport. Als Wettkämpfer schlägt sein Herz auf der Aschbahn höher.Marc Tortell, 23, hat die Olympischen Spiele fest im Blick. © David Klammer

Wettkämpfer mit Leidenschaft

Sein Traum: die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Der Weg dorthin: intensives Training. Stunden, Tage, Monate, Jahre. Marc Tortell ist 23 Jahre alt und passionierter Läufer.

Was unterscheidet für dich ein Hobby von einer Leidenschaft?
Hobby ist für mich etwas, das man gerne macht – aber auch mal hintenangestellt werden kann. Es dient eher als Zeitvertreib, mit dem ich einfach Spaß verbinde. Leidenschaft geht weiter: Dafür brennt man richtig und ordnet der Sache auch viel unter. Ich würde sagen, dass man eine Leidenschaft im Gegensatz zum Hobby gewissenhafter und mit Zielen verfolgt.

Wofür hast du Leidenschaft in deinem Leben?

Ein buntes Gemälde von Marc Tortell, Markenbotschafter der vivida bkk.

Dieses Hobby kann sich sehen lassen. Ein Einblick in die Werke von Marc Tortell. © Marc Tortell

Auf der einen Seite ist meine Leidenschaft natürlich der Sport. Auf der anderen Seite bin ich auch ein kreativer Mensch: Ich studiere Kommunikationsdesign und arbeite in diesem Gebiet sehr gern. Was ich gewissenhaft mache, möchte ich gut machen. Dennoch gibt es unterschiedliche Priorisierungen.
Malen ist beispielsweise ein Hobby von mir. Ich male gerne für mich, wenn ich Zeit habe und es mir Spaß macht, aber es steht nicht auf meiner Prioritätenliste.

Geraten beide Leidenschaften auch einmal in Konflikt?
Während der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele kann ich natürlich kein Training ausfallen lassen, aber in der Uni stehen gleichzeitig wichtige Abgaben an. Ich habe an mich selbst den Anspruch, alles gut zu machen und möchte beides nicht halbherzig machen. Das ist dann eine Prioritätenfrage – wo investiere ich meine Zeit? Da gibt es ab und an zeitliche Konflikte, aber aktuell steht der Sport an erster Stelle.

Gib uns einen kurzen Ausblick auf die olympischen Spiele.
Das ist alles ja noch sehr vage. Ich bin hochmotiviert und möchte unbedingt dabei sein und mich bestmöglich präsentieren. Bei der Leichtathletik ist Olympia alle vier Jahre das Non-Plus-Ultra – eine Teilnahme ist der Traum eines jeden Athleten, der hart arbeitet.

Aber ich möchte generell weiterkommen. Wenn es also nochmal ein Jahr länger dauert, ändert das nichts an meiner Motivation. Die nächste Meisterschaft steht auch schon bevor, von daher ist das Training nicht umsonst. Ich bleibe einfach dran und habe Geduld.

Wie gehst du mit diesem Leistungsdruck um und was macht er mit dir?
Ich bin ein kompetitiver Typ und habe gerne Wettkampf. Dieser Druck macht mir Spaß und den brauche ich auch für meine Produktivität. Ich bin da vielleicht auch ein typischer Student, ohne Deadline fehlt die Motivation (lacht). Ich kann mit Leistungsdruck von außen gut umgehen, allerdings habe ich hohe Ansprüche an mich selbst. Mit meiner eigenen Erwartungshaltung stehe ich mir manchmal selbst im Weg. Aber ich arbeite mit einem Sportpsychologen am Olympiastützpunkt Frankfurt zusammen. Ich habe festgestellt, dass Druck nichts Schlimmes ist und einfach dazu gehört. Ohne ihn wäre alles „Larifari“.

Im Leistungssport testet man seine körperlichen Grenzen aus – wann geht für dich eine Leidenschaft in Obsession über? Wann ist es zu viel?
(Lacht) Ich bin ein Kandidat, der gerne übertreibt. Obsession würde ich es nicht nennen. Aber es ist in jedem Lebensbereich so, dass ein gesundes Mittelmaß am erfolgversprechendsten ist. Man muss auch aufpassen und sich selbst zurückhalten. Hier hilft es, auf den Trainer und Außenstehende zu hören. Ein gutes Team ist in dem Zusammenhang sehr wichtig. Man selbst will immer möglichst schnell möglichst viel erreichen – in Sachen Geduld übe ich mich noch.

Warst du schon einmal an dem Punkt, an dem du gemerkt hast, dass du einen Gang runterschalten musst?
Ja, auf jeden Fall. Ich war im Winter 2020 für vier Monate verletzt. Klar, Verletzungen kommen nicht von Ungefähr, wenn man viel trainiert. Für mich waren die vier Monate eine schwierige Zeit, vor allem, wenn ich die anderen trainieren gesehen habe. Da habe ich viel über mich selbst kennengelernt.

In Phasen der Verletzung reife ich, weil ich weiß, dass ich in Zukunft nichts überstürzen oder mich gar übertrainieren möchte. Beim Übertraining erhält der Körper einen Dauerermüdungszustand. Das dauert eine ganze Weile, aus dem Zustand wieder rauszukommen. Das ist mir aber noch nicht passiert.

Spornen dich die Rückschläge auch an?
Eine Verletzungszeit ist eine komplette Achterbahnfahrt. An einem Tag ist man zutiefst betrübt und will mit niemandem reden, allein sein und ist traurig. Während der Verletzungszeit spielt man schon mit dem Gedanken, den Sport nicht weiter auszuüben. Weil es schmerzhaft ist zu sehen, dass einem die Ziele entgleisen und man selbst ohnmächtig ist.
Aber ich gehe auch mit großer Motivation an meine Schwächen heran und möchte an ihnen arbeiten. Nach einer gewissen Zeit ist man dann auch wieder frischer – vor allem im Kopf. Verletzungen sind immer mies, aber man muss halt das Beste draus machen. So komme ich noch stärker aus einer Verletzungsphase zurück.

Markenbotschafter und vivida bkk Kunde Marc Tortell beim Lauftraining. Im Interview spricht er über seine Leidenschaft.

Leistungssportler und Langläufer Marc Tortell liebt den Sport. Als Wettkämpfer schlägt sein Herz auf der Aschbahn höher. © Marc Tortell

Wann empfindest du die stärksten Emotionen beim Sport?
Definitiv im Wettkampf. Es gibt wenig, das einen so mitnehmen kann, wie eine enttäuschende Leistung. Gleichmaßen gibt es wenig, das einem so viel Freude macht, wie das Übertreffen seiner eigenen Erwartungen, eine neue Bestzeit oder ein Sieg. Ich bin ein Wettkampftyp.

Im Training testet man auf jeden Fall auch seine eigenen Grenzen aus, es bewegt sich aber immer im gesunden Mittelmaß an der oberen Grenze. Aber emotional ist ein Wettkampf mit nichts zu vergleichen – sowohl im Negativen als auch im Positiven.

Du hast deine Leidenschaft früh gefunden, was würdest du anderen auf den Weg geben, die ihre noch nicht gefunden haben?
Man sollte sich einfach ausprobieren! Das machen, worauf man wirklich Lust hat. Wenn man keinen Spaß an der Sache findet, ist es schwer, seine Ziele zu verfolgen. Es steht einem grundsätzlich nichts im Weg, aus einem Hobby eine Leidenschaft zu machen. Ich glaube, das ist der Anfang für alle Leidenschaften: Es beginnt mit einem Hobby. Und dann sollte man das Ganze auf sich zukommen lassen. Je ambitionierter man dabei ist und je mehr Spaß es einem macht, desto eher verfällt man in eine Leidenschaft.

Welchen Tipp gibst du Menschen, die gerne öfter laufen würden, denen aber die Leidenschaft dafür fehlt? Kann man die Leidenschaft dafür irgendwie entfachen?
Der Laufsport an sich ist glaube ich ein undankbarer Sport, wenn es einem von Anfang an keinen Spaß macht. Da wird es schwer, eine große Leidenschaft zu entwickeln, weil es ab und zu auch sehr anstrengend ist. Es braucht Überwindung, auch an kalten Tagen draußen Laufen zu gehen.

Mein Tipp an Leute, die grundsätzlich Spaß dran haben, der Funke zur Leidenschaft aber noch nicht hundertprozentig übergesprungen ist: Einfach auf den Körper hören, das machen, wonach man sich fühlt und nicht krampfhaft an einem Plan festhalten. Sonst verliert man den Spaß.
Auch mal gern schnell laufen, weil für mich persönlich ist es das, was am meisten Spaß macht, weil man richtig erschöpft ist. Wenn man dagegen eher den Kopf frei kriegen will, macht man eben etwas langsamer und lässt die Seele baumeln. Von allem einfach ein bisschen. Ich glaube, wenn es Spaß macht, entwickelt man eine Leidenschaft.

Glaubst du, dass das Feuer der Leidenschaft für den Sport irgendwann in dir erlöschen könnte?
Vielleicht notgedrungen. Aber eigentlich kann ich es mir persönlich nicht vorstellen, dass ich mich jemals nicht mehr für den Laufsport interessieren werde. Ich werde dem Ganzen wohl immer verbunden sein, weil ich es auch einfach mag, Sport zu beobachten. Dasselbe gilt für meine Design-Leidenschaft. Ich glaube, wenn einem eine Sache mal so sehr am Herzen liegt, dann erlischt die Leidenschaft nicht mehr komplett. Möglicherweise gibt es irgendwann nur andere Schwerpunkte.

Zur Person: Marc Tortell, 23, ist ein aufstrebender Leichtathlet aus Frankfurt und Kunde der vivida bkk. 2019 konnte er sich den deut­schen Meistertitel im Mittelstreckenlauf U23 über 1.500 Meter sichern. 2020 war er Jahresschnellster in Deutschland über 1.500 Meter und 1.000 Meter. Außerdem belegte er im vergangenen Jahr den ersten Platz der Deutschen Hochschul­meisterschaft über 3.000 Meter.

Marcs Tipps für Menschen, die gerne öfter laufen würden, die aber die Leidenschaft dafür noch nicht entwickelt haben, lesen Sie hier.

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