Das Magazin der Schwenninger Krankenkasse

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Das Bild zeigt Dr. Anne Fleck - kurz Doc Fleck@ Dr. Anne Fleck

„Gesundheit beginnt im Kopf, im Herzen und im Bauch“ – sagt Doc Fleck

Fett macht nicht unbedingt fett und Superfood gibt’s auch aus der Region. Die Ernährungs- und Präventionsmedizinerin Dr. Anne Fleck – kurz Doc Fleck – über gesunde Ernährung.

Frau Dr. Fleck, was macht für Sie gesunde Ernährung aus?

Gesunde Ernährung ist so ein sperriges Wort. Ich spreche lieber von bewusstem Essen, weil Essen auch etwas mit Sinnlichkeit und Lebensfreude zu tun hat. Wer freudlos an fettarmen Reiswaffeln knabbert, lebt nicht unbedingt gesünder.
Es ist wichtig, was wir essen, aber auch wie oft und wann. Zwischen Abendessen und Frühstück sollte eine längere Pause von etwa zwölf Stunden sein, damit der Blutzuckerspiegel sinkt.

Was empfehlen Sie für bewusstes und gesundes Essen?

Auf jeden Fall möglichst einfache und unverarbeitete Lebensmittel, die man vor allem in der mediterranen Küche findet. Also ballaststoffreiche Lebensmittel, zuckerarmes Obst, gesunde Fette aus Nüssen, Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch oder beispielsweise Olivenöl. Und so wenig Fertigprodukte wie möglich.

Was für einen Einfluss hat die Ernährung auf unsere Gesundheit?

Gesundheit beginnt zuerst im Kopf, dann im Herzen und schlussendlich im Bauch, beziehungsweise Kochtopf. Ernährung darf man nicht überschätzen, aber auf keinen Fall unterschätzen. Für entzündlich-rheumatische Erkrankungen muss man beispielsweise Medikamente nehmen.
Allein mit „Iss mal eine Möhre und Fisch“ werden Sie nicht gesund. Wenn man aber die klassische Medizin mit einer passenden individuellen Ernährung kombiniert, kann das beim Gesundwerden helfen.

Ist „schlank“ wirklich gesund? Oder ist ein bisschen Bauch auch okay?

Schlank sein bedeutet nicht gleich gesund sein. 30 Prozent der äußerlich schlanken Menschen sind sogenannte TOFIs (thin outside, fat inside, deutsch: außen dünn, innen dick). Diese „dünnen Dicken“ haben sozusagen verstecktes Bauchfett, weil sie meist zu oft und zu viele Kohlenhydrate essen.
Das Bauchfett ist wie eine Entzündungsfabrik. Es produziert Botenstoffe, die im ganzen Körper chronische Entzündungen in den Zellen verursachen. Und es kann verantwortlich sein für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Insulinresistenz, Diabetes mellitus, Demenz und Krebs. Dieses Risiko haben alle, die sich zu wenig bewegen – egal ob dick oder dünn.

Was ist das Besondere an Ihrem Doc Fleck Concept?

Durch Spezialisierung und ökonomischen Druck im Gesundheitssystem geht leider immer mehr Ganzheitlichkeit und Menschlichkeit verloren. Mir ist es wichtig, jeden Patienten individuell zu behandeln, denn jeder Mensch ist einzigartig. Wir unterscheiden uns in Genetik, Geschlecht, Zusammensetzung des Körpers, Darmbakterien, Charakter, Vorlieben und Verträglichkeiten, Schlaf, Fitness und Belastbarkeit.
Ich möchte jedem eine adäquate Hilfestellung und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Mein Konzept ist daher eine Symbiose aus Disziplinen der klassischen Medizin, aber auch innovativer Präventiv-, Ursachen- und Ernährungsmedizin sowie fundierter Naturheilverfahren und Stressmedizin. Und das individuell angepasst.

Stimmt der Spruch „Fett macht fett“?

Nein, weil Fett grundsätzlich erstmal nicht fett macht. Gesundes Fett kann als clever eingesetzter Makronährstoff die Gesundheit sogar verbessern. Vor allem einfach ungesättigte Fettsäuren, wie sie in Olivenöl enthalten sind, und Omega-3-Fettsäuren sind gesund. Die findet man in fettem Fisch und Pflanzenölen wie Lein-, Weizenkeim-, Hanf- und Walnussöl.
Die Öle müssen aber bio-kaltgepresst, und unter Licht-, Hitze- und Sauerstoffausschluss gepresst sein. Omega-3-Fettsäuren sind nämlich richtige Mimosen, die rasch oxidieren, was schleichende Entzündungsprozesse im Körper begünstigt, die chronische Krankheiten fördern.

Das geht runter wie Öl: Mehr über gesunde Fette lesen Sie hier.

 

Man sagt „Die Deutschen essen, um zu leben, die Franzosen leben, um zu essen.“ Stimmt das?

Während meiner Studienzeit in Frankreich habe ich erlebt, dass Franzosen deutlich weniger in Autos, neue Möbel und einen neuen Hausanstrich investieren als wir Deutschen. Ich finde es schade, dass wir – ohne mit der Wimper zu zucken – für das Auto ein gutes Motoröl an der Tankstelle kaufen. Da wird nicht gespart – aber beim Essen. Wir sollten Essen als ein Stück Lebensfreude und Lebensqualität betrachten. Außerdem muss gutes Essen nicht zwingend teuer sein. Natürliche und möglichst unverarbeitete Lebensmittel in bester Qualität bekommen wir hierzulande nahezu überall.

Was halten Sie von Foodtrends oder „Superfoods“?

Es gibt leider viel zu viele Empfehlungen, oft ohne wissenschaftlichen Hintergrund – das verwirrt und verunsichert die Kunden. Wir brauchen auch keine wilden Exoten wie Camu-Camu, Baobab oder Ähnliches. Die Acai-Beere hat sogar weniger Vitamin C als Rotkohl.
Echte Ernährungshelden aus der Region sind beispielsweise Zwiebeln, Knoblauch, Beeren, Äpfel, Walnüsse, Haselnüsse, Leinsamen, Kohlgemüse, Möhren, grünes Blattgemüse, Löwenzahn und Petersilie.

Wie kann ich mich auch mit wenig Zeit gesund ernähren?

Das Doc Fleck Frühstück habe ich gemäß der Fettforschung entwickelt. Es ist eine bewährte Komposition aus Öl und Eiweiß, beispielsweise mit Quark, Leinöl mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Weizenkeimöl, etwas Nüssen, Mandeln, Samen als gesunde Dekoration, eine Handvoll Obst und ein bis zwei Teelöffeln Flohsamenschalen.
Kurz gesagt das perfekte Ritual am Morgen, um dem Darm etwas Gutes zu tun und Entzündungen vorzubeugen. Es passt auch gut als „Spätstück“, also nach einer langen Essenspause nach dem Abendessen.

Millionen quälen sich Jahr für Jahr mit Diäten. Was ist Ihr Tipp, um abzunehmen?

Das Leben ist viel zu kurz für rigide Diäten und starre Dogmen. Ich erlebe immer wieder Menschen, die von Diät zu Diät hecheln. Was wirklich mit Erfolg und Nachhaltigkeit funktioniert, ist eine liebevolle und entspannte Ernährungsumstellung im Alltag – ohne strikte Verbote.
Mein Tipp: zwei bis drei Mahlzeiten, lange Pausen, viel sattmachendes Gemüse. Mein liebster Notfallsnack sind Pekannüsse, ein hartgekochtes Ei oder eine Avocado. Das passt in jede Handtasche.

Zur Person: Für jeden Menschen die bestmögliche Gesundheit erreichen, mit Wertschätzung und Respekt für den Einzelnen – das ist das Ziel von Dr. Anne Fleck, kurz „Doc Fleck“. Im NDR-Fernsehen und in ihren Bestsellern („Schlank und gesund mit der Doc Fleck Methode“, BJV Verlag; „Ran an das Fett“, Wunderlich Verlag) gibt sie Tipps zu gesunder Ernährung und dazu, wie sich auch schwere Krankheiten durch moderne Medizinkonzepte lindern lassen. Die begeisterte Hobbyseglerin liebt die Natur, kocht leidenschaftlich gern, malt und zeichnet. Sie unterstützt außerdem die Arbeit der Stiftung „Die Gesundarbeiter“ der Schwenninger Krankenkasse.

 

Wer für eine Ernährungsumstellung mehr Struktur braucht: Wir haben fünf Kalorienzähler-Apps und Ernährungs-Apps verglichen – lesen Sie hier mehr.

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