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Fehler machen ist nur menschlich. Mann legt den Kopf grübelnd schief.Nicht den Kopf hängen lassen - aufstehen und weitermachen! So die Devise der "Fuckup Nights". © Krakenimages.com

„Fuckup Night“ – aus Fehlern lernen

Satz mit x – war wohl nix. Fehler passieren den Besten. Patrick Wagner, Mitbegründer der „Fuckup Night Berlin“, über Fehlerkultur und Ehrlichkeit.

Sie sind Mitgründer der Veranstaltung „Fuckup Night Berlin“. Was hat es damit auf sich?
Jeder kennt diese Vortragsreihen, bei denen Unternehmensgründer ihre Erfolgsgeschichten erzählen: wie innovativ ihre Geschäftsidee war, wie super das Finanzierungskonzept und wie stark das Team – kurzum: alles perfekt. Unsere Veranstaltung ist ein Gegenpol dazu. Unternehmer stellen sich vors Publikum und erzählen davon, wie sie grandios gescheitert sind.

Zum Beispiel?
Jeder scheitert anders: Der eine geht in die Insolvenz wegen einer falschen Investition, die andere zerstreitet sich mit Geschäftspartnern und der Dritte missachtet seinen Wettbewerber zu lange. Das Gute ist, dass sich aus jedem Scheitern etwas lernen lässt, wenn man nur ehrlich zum Publikum und vor allem zu sich selbst ist.

Fällt uns das schwer?
Bei manchen Vorträgen merkt man schon, dass sich der Referierende sein Scheitern schönreden möchte. Da sind dann tausend Dinge schuld – nur man selbst nicht. Manchmal kommen die Redner aber auch erst auf der Bühne zur Erkenntnis. Bei meinem eigenen Vortrag war das so: Ich hatte eine schöne Rede vorbereitet mit allem, was bei meinem „Fuckup“ schiefgegangen ist. Dann stand ich auf der Bühne und es hat angefangen, in mir zu rattern: Moment mal, an der Stelle habe ICH einen Fehler gemacht. Und in dieser Situation hätte ICH anders handeln können, um alles noch zu retten. Für mich waren die Erkenntnisse aus diesem Moment ein riesiger Gewinn.

Warum ist es so schwierig, offen über das eigene Scheitern zu reden?
Das liegt vor allem am gesellschaftlichen Druck: Wir schauen nämlich immer eher auf Misserfolge denn auf Erfolge. Das fängt schon in der Schule an. Ein Schüler, der von ein mal eins bis acht mal acht alles richtig rechnet und sich erst bei neun mal neun vertut, ist eben der Schüler mit einem Fehler und nicht der Schüler mit acht Erfolgen. Das zieht sich so durch bis ins Arbeitsleben. Dabei ist es ganz normal: Wir alle machen Fehler – täglich. Beim Autofahren, bei der Erziehung und eben auch auf der Arbeit. Das Beste, was man tun kann, ist: sich seinen Fehler eingestehen. Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden ermutigen, Fehler offen und angstfrei auszusprechen, profitieren sehr davon.

Scheitern als Makel – ist das ein deutsches Phänomen?
Ob in den USA, in China oder in Deutschland: Grundsätzlich scheitert niemand gerne. Aber es stimmt schon, dass Scheitern hierzulande einen anderen Stellenwert hat als im Ausland. Eine Erfolgsgeschichte wie die des Start-up- Genies Max Levchin wäre hier kaum möglich: Bin ich einmal pleitegegangen, wird es schwierig, einen Kredit für einen neuen Versuch zu bekommen. Unsere Gesellschaft wandelt sich rasend schnell, aber unser Insolvenzrecht und damit auch unsere Fehlerkultur stammen noch aus dem 19. Jahrhundert. Zum Glück lassen sich Gesetze und unser gemeinsames Miteinander bei dem Thema ändern – daran arbeiten wir.

Patrick Wagner, Mitbegründer der „Fuckup Night Berlin“.

© Claudia Burger

Patrick Wagner, Mitbegründer der „Fuckup Night Berlin„, holt regelmäßig Menschen auf die Bühne, die ehrlich über ihren Misserfolg sprechen – und damit andere motivieren.

Stehauf-Männchen
Paypal-Gründer Max Levchin ist mit seinen Geschäftsideen mehr als einmal auf die Nase gefallen – und immer wieder aufgestanden. Bis es schließlich klappte. Levchin über sich selbst: „Mein erstes Unternehmen ist mit einem großen Knall gescheitert. Das zweite Unternehmen ist ein bisschen weniger schlimm gescheitert, aber immer noch gescheitert. Das dritte Unternehmen ist anständig gescheitert, das war irgendwie okay. Ich habe mich rasch erholt, und das vierte Unternehmen überlebte bereits. Es war keine großartige Geschichte, aber es funktionierte. Nummer fünf war dann Paypal.“

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