Das Magazin der Schwenninger Krankenkasse

Das Magazin der Schwenninger Krankenkasse

Ein Arzt auf einem Laptopbildschirm mit verschiedenen Instrumenten um ihn herum. Es geht um die Digitalisierung im Gesundheitswesen.© GettyImages

Wer heilen will, braucht Daten

Wie weit haben Sie es eigentlich bis zu Ihrem Hausarzt? Zu Fuß erreichbar? Glück gehabt. Selbst in der Großstadt ist die Praxis selten um die Ecke, und auf dem Land läuft nichts ohne Auto. Wer also regelmäßig für ein EKG oder eine Blutdruckmessung in die Praxis muss, weiß: Es dauert eigentlich nur ein paar Minuten, verursacht aber ziemlich viel Aufwand für alle Beteiligten. Das geht inzwischen einfacher, und zwar digital.

Nicht mehr der Arzt holt die Information aus dem Wartezimmer, sondern der Patient schickt sie von überall aus übers Internet. Das wird die Zukunft des Gesundheitswesens sein:

Ärzte, Krankenkassen, Kliniken und Patienten sind digital vernetzt und tauschen Daten automatisch in Echtzeit aus. Doch der digitale Fortschritt im Gesundheitswesen bewegt sich so schnell wie eine Wanderdüne. Die elektronische Versichertenkarte sollte 2006 eingeführt werden – sie kam 2015, und es steht kaum was drin. Jahrelang wurde um den Datenschutz gerungen, und völlig zu Recht.

Aber gleichzeitig geben die Menschen in Deutschland jeden Tag ihre Daten bedenkenlos an Internet-Konzerne aus den USA, für die deutscher Datenschutz ein Fremdwort ist. Google weiß viel über unsere Gesundheit, weil es unsere Suchanfragen kennt. Und Apple verkauft bereits ein Blutglukose-Set, dessen Messwerte am iPhone angezeigt und versendet werden. Freier Markt, freie Technik, freiwillige Käufer.

Doch man muss auch wissen: Ein Arzt ist zur Verschwiegenheit verpflichtet, aber eine App ist wie ein Plappermaul – dauernd sendet sie vertrauliche Daten über unseren Gesundheitszustand an irgendwen. Und nicht jede App taugt wirklich was. Hier hilft für digitale Anwendungen im Gesundheitswesen nur eine Zertifizierung wie bei Medizinprodukten, vielleicht sogar eine Zulassung wie bei Arzneimitteln bei besonders sensiblen Bereichen.

Die entscheidende Frage aber lautet: Wo sollten die Daten der Patienten zusammenlaufen, wer soll den Daumen darauf haben? Ich sage: Am besten machen das die Kassen – denn sie machen es bereits die ganze Zeit. Sie haben bewiesen, dass sie es können. Und anders als Apple und Co. unterliegen die Krankenkassen den deutschen Gesetzen zum Datenschutz. Das gibt die Sicherheit, die für jeden nötig ist. Große Veränderungen brauchen Zeit, bis sie akzeptiert werden und sich durchsetzen.

Warum glaube ich trotzdem, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen kommt? Aus zwei Gründen: Gesundheit heißt auch immer Geld, und die steigenden Ausgaben für Gesundheit treiben das Thema Digitalisierung voran. Und der zweite Grund führt uns an den Anfang der Geschichte: weil es einfacher ist für alle Beteiligten. Deshalb wird es kommen.

Thorsten Bröske

Thorsten Bröske

Ein Beitrag von Thorsten Bröske, Vorstand der Schwenninger Krankenkasse

 

 

 

Was haben die etablierten Parteien vor der Bundestagswahl 2017 zur Digitalisierung im Gesundheitswesen gesagt? Wir haben sie gefragt. Und was passiert mit Ihren Daten eigentlich nach Ihrem Tod? Lesen Sie hier mehr dazu.
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